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Kimmy

Ich habe dich zweimal gesehen und schon geliebt. Wir wissen beide, dass ich dich vergessen werde, früher oder später, doch jetzt will ich um dich trauern, mein kleines lethargisches Fellknäuel.

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Ich bin Kimmy. Ich bin drei Tage alt. Meine Geschwister haben keine Namen – sie sind groß und kräftig, sie tapsen blind umher, suchen die Zitzen der Mutter und saugen gierig. Gierig darauf zu wachsen, zu leben.

Ich bin Kimmy. Ich bin klein und schwach. Ich spüre die Bewegungen meiner Geschwister, den warmen Körper meiner Mutter, ich höre ihr Schnurren, liebend und wohlwollend, doch ich verstehe nicht, was sie mir sagen will.

Ich bin Kimmy. Ich weiß nicht, wie man trinkt, ich finde keine Zitze. Es ist nicht die Konkurrenz – ich habe nur zwei Geschwister. Ich bin es. Ich bin zu schwach, vielleicht zu dumm... und so müde. Ich will schlafen.

Ich bin Kimmy. Ihr Menschen meint es gut mir mir, wollt mir zeigen, wie es geht, zeigen, wo ich suchen muss. Doch ich verstehe es nicht. Ich spüre die Liebe meiner Mutter, doch auch, dass sie weiß, was das bedeutet. Sie schmiegt sich an mich wenn ich schlafe, während meine Geschwister trinken.

Ich bin Kimmy. Ich habe einen Namen, meine Geschwister nicht. Ihr gabt mir einen, weil auch ihr gewusst habt, was das bedeutet. Ihr habt gesehen, dass ich lieber schlafen will. Ich hoffe meine Geschwister werden noch lange Zeit haben, um einen Namen zu bekommen, damit gerufen zu werden und darunter geliebt zu werden. Ich hatte die Zeit nicht, aber ich hatte einen Namen – vergesst mich, vergesst ihn oder erinnert euch.

Ich war Kimmy, ich schlafe nun.
22.3.11 19:55


Fünf Takte aus der Symphonie des Lebens

Musen küssen Nachts am Besten.


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Leben. So faszinierend, so allgegenwärtig. Ich stehe inmitten von Leben und selbst wenn ich nur die Menschen betrachte, nur die Menschen um mich herum betrachte, mich nur auf sie konzentriere, auf diesen kleinen Teil des Ganzen, wirkt dieses Leben noch riesig, komplex und überwältigend. Die Menschen, die an mir vorbei gehen, Zeitung lesen, gehetzt durch die Straßen eilen oder verträumt vor sich zu Boden starren. Jeder, jeder hier hat eine Geschichte, eine lange Geschichte. Jeder hat eine Mutter, einen Vater – oder hatte zumindest. Der eine hat achtzig Jahre Lebenserfahrung, der andere sechzehn und trotzdem ist selbst der von ihnen, der am geringsten scheint, am einfachsten, niemals gänzlich zu verstehen, niemals gänzlich zu kennen, denn es gibt so vieles, das ihn ausmacht. Eine komplexe Melodie, vielfältig und faszinierend, mitreißend, meinen Geist übersteigend.

So viele Bilder, Erinnerungen. Ob Träume oder Musik, Wünsche oder Geschmack. Abneigung, Zuneigung. Mitmenschen – Freunde, Familie... Feinde. Auch Wut, Schmerz und Trauer sind Teil des Ganzen, gerade auch der Tod ist ein so essenzieller Teil dieser Allgegenwärtigkeit des Lebens.
All diese Menschen sind so komplex, so vielfältig, jeder eine Essenz von Erfahrung und Persönlichkeit... und ich stehe hier und staune. Stehe hier und lausche der Symphonie des Lebens.

Benommen von dieser Faszination entsinne ich mich, dass mich mein Weg heute zu Ihr führen soll. Mein Inneres jauchzt vor Glück, meine Faszination dreht sich wild im Kreise, um dieser überwältigenden Vorstellung irgendwie Ausdruck zu verleihen: Sie! Und ich! Essenzen unserer Erfahrungen, unserer Träume und Erinnerungen – ein jeder von uns mit einer Geschichte, die alle Blätter der Welt füllen könnte, ein Epos der Persönlichkeit. Und beide Handlungsstränge führen uns heute zusammen, heute und hier, damit wir ineinander blättern können. Wir werden nie verstehen, aber wir werden versuchen, werden kennen lernen, werden uns mit einem kleinen Teil dieses überwältigenden Lebens vertraut machen – gemeinsam. Die Liebe stimmt zum beschwingten, erfüllenden, gefühlvollen Solo an.

Wie hätte ich, übermannt von dieser absoluten Faszination, schwelgend, noch das anfahrende Auto sehen sollen? Und nun liege ich hier und alles zieht vorüber, begleitet von dem regelmäßigen Piepen der Geräte, die meine letzten Sekunden zu zählen scheinen. Dieses Leben, von dem ich nur so wenig gesehen habe, an dem es so viel zu entdecken gibt – diese Komplexität, die Zusammenhänge. Wo ist die Musik, die es ausdrückt? Diese Faszination? Kaltes Piepen.

Wo ist Sie? Sie zu der es mich zieht, Sie, nach der mein Herz schreit und mein Geist sehnt. Sie weiß es nicht – Sie weiß alles nicht! Sie weiß nicht, dass ich hier bin, weiß nicht, was geschehen ist. Doch schlimmer: Sie weiß nicht, was ich dachte – und wird es nie wissen. Sie weiß nicht, was ich fühlte – die Faszination bleibt ungeteilt. Die Symphonie verklingt, das Solo nach kaum einem Takt vorbei, die Musik ist fort, verloren und vergessen, nie geteilt, nie gelebt und zum Schluss bleibt mir nicht einmal das kalte Piepen.
22.3.11 08:09


Widerstand

Jap, ich lebe noch. 10 Monate Funkstille hier... ich hätte zwischenzeitlich ein Kind kriegen können... hab' ich aber nicht. >:]

Dafür hab' ich nun endlich die schwere Geburt einer neuen, blogtauglichen Kurzgeschichte hinter mir... hoffentlich stört das Blut und das Geschrei nicht... in meinen Augen ist das Kind in jedem Falle wunderschön. ;P

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Widerstand

 

Nun ist es so weit. Ich hatte mir die Situation immer anders vorgestellt, auch wenn es nicht der Pistolenlauf an meiner Schläfe ist, der meine Vorstellung durchkreuzt.

Ich bin Gabriel, jedenfalls heiße ich inzwischen so, Anführer einer Guerilla-Truppe. Es hat damals alles klein angefangen, mit Unmut gegen das Regime. Öffentlich verhielten wir uns unauffällig, in der Gruppe flammte der Widerstand jedoch groß... und forderte Handlung! Wir überlegten, was wir tun könnten, planten... wir formulierten einige Flugblätter, doch wir stellten uns offenbar schlecht an. Einer von uns wurde gefasst. Wie wir später von einem Informanten erfuhren hatte er selbst unter Folter und dem Angebot auf Freiheit behauptet Einzeltäter gewesen zu sein, bevor er hingerichtet wurde. Er hatte uns gerettet... und war das erste Opfer, das mir persönlich nahe ging.

Die anderen jedoch hatten schon weit persönlichere Opfer hinnehmen müssen. Michaela, wie sie jetzt heißt, hat ihre ganze Familie verloren, weil sie mit Rebellen kollaboriert haben sollen. Soweit wir wissen entkam sie der familiären Kollektivstrafe nur, indem sie ihre Richter absolut davon überzeugte, dass sie diese Handlungen nicht nur schlecht hieß, sondern sie und ihre Familie dafür verachtete, ohne mit der Wimper zu zucken oder eine Träne in den Augen zu haben, nachdem ihr von deren Tat erzählt wurde. Ich lernte sie erst später kennen, aber ich glaube zu der Zeit hatte sie das sogar aus absoluter Überzeugung gesagt und getan. Doch... so etwas bleibt nicht spurlos zurück, sie versteckte nie gut, dass sie sich und das Regime schlussendlich dafür hasste und ihren Selbsthass meist ebenfalls auf das Regime projizierte. Sie ist stets die Heißblütige von uns gewesen, ohne sie wären wir vielleicht nie so weit gegangen, zumindest ich nicht.

Meine Familie war wohlhabend und politisch angepasst, zwar nicht überzeugt, aber billigend mitlaufend. Sie hätten nicht im Geringsten verstanden, wieso ich tat, was ich schlussendlich tat, und hätte ich diesen Freundeskreis nicht gehabt, nicht miterlebt wie andere zu leiden hatten, wäre ich vermutlich nicht anders gewesen als der Rest meiner Familie. Ich war stets der Logische unter uns, vielleicht der Menschliche. Ich hatte keine emotionale Beziehung zu dem Fall, 'nur' eine ideologisch-idealistische.

Wir hatten uns anfangs zwar nicht geschworen, aber als klare Regel gefasst nur Material als Ziel zu haben und Mensch, wenn überhaupt, dann nur als notwendiges Opfer zu bringen. Es begann minimal. Wir überfielen kleine Patrouillen, maskiert, im Hinterhalt und möglichst ohne irgendeinen Hinweis auf unsere Identität. Es klappte und wir erbeuteten nach und nach eine Menge Ausrüstung. So viel, dass wir uns bald daran wagten, einen ganzen LKW mit Ausrüstung zu klauen. Bis dahin hatte sich noch nie jemand gewehrt, unsere Taktik ging jedesmal auf: Schnell da sein und sofort dominierende Präsenz zeigen. Kaum einer wehrt sich, wenn die Ausgangssituation in einem darauf folgenden Kampf ist, dass drei von vier Kameraden einen Gewehrlauf am Kopf haben und ein maskierter Fremder mit einer entsicherten Handgranate neben den transportierten Munitionskisten steht. Unsere Gefangenen fesselten und knebelten wir, inklusive Augenbinde, dann ließen wir sie liegen... jedenfalls war das Anfangs der Fall.

Später, als unsere Gruppe wuchs, unsere Organisation professioneller, unsere Ausbildung besser und unser Selbstbewusstsein größer wurde, da gingen wir dazu über, unsere Gefangenen zu verwunden, so dass sie zwar wieder genesen würden, aber lang genug im Hospital liegen würden, um sich die ganze Sache durch den Kopf gehen zu lassen, inklusive der geringen Chance, dass sie durch die Verwundung vielleicht sogar aus dem Militär ausscheiden würden oder leichter austreten könnten.

Zu der Zeit überfielen wir ganze Konvois. Teilweise bis zu zehn Fahrzeuge, sogar einmal mit einem Panzer, aber der war lediglich von einem Fahrer besetzt. Wir blieben in Bewegung, schlugen zu, wo niemand es erwartete, blieben getarnt. Manchmal verkleideten sich unsere Frauen wie Männer, manchmal verkleideten sich unsere Männer wie Frauen, wir färbten Haare, variierten Frisuren, klauten Pässe und Papiere, fälschten welche, alles sehr erfolgreich. Keiner ist uns je auf die Spur gekommen und nur selten wehrte sich einer und selbst wenn, wurde noch seltener jemand getötet. Aber es kam natürlich vor, auf beiden Seiten.

Damit hatte es vermutlich begonnen. Einer hatte sich mal gewehrt, hatte zwei von uns erschossen, eine schwer verletzt. Ich entwaffnete ihn, fesselte und knebelte ihn... und ließ ihn liegen, während ich die anderen davon abhielt, ihn zu erschießen. Alle in der Truppe hatten in ihrem früheren Leben schon Verluste hinnehmen müssen, Väter, Mütter, Lebensgefährten, Kinder, Tanten, Freunde, ... nur ich nicht. Jetzt holte sie dieses Leben wieder ein, der Verlust holte sie ein... und auch die Rachegelüste kamen wieder. Die, die sie erst in unsere Truppe getrieben hatten. Allerdings war damals, als sie dann zum ersten 'Einsatz' mitkamen, der Pegel meistens wieder unten, die Konzentration darauf, die Sache ordentlich durch zu ziehen und unentdeckt wieder davon zu kommen. In dem beschriebenen Moment, kürzlich, waren sie jedoch mittendrin, als sie die Rachegelüste überkamen. Nachträglich verspürten sie die Chance alles besser zu machen. Jetzt hatten sie die Gelegenheit, die sie damals nicht hatten, jetzt hatten sie eine Waffe, einen Finger am Abzug, als ein Familienmitglied erschossen wurde, jetzt könnten sie reagieren, aber ich ließ sie nicht. Später rügte ich Michaela, weil sie sieben Soldaten erschossen hatte, die sich ergeben hatten. Sie behauptete anfangs, sie hätte nicht gesehen gehabt, dass sie kapituliert hatten, wenig später gab sie aber zu, dass es Absicht gewesen war... dass es ihr Spaß gemacht hatte und sie es bald wieder tun würde, ich widersprach.

Es kochte sich zusammen, eines kam zum anderen... nun knie ich hier, im Büro eines Geheimpolizisten, neben mir hält mir einer meiner engsten Waffenbrüder eine Pistole an den Kopf.

Wir wollen ihn als Doppelagenten einschleusen, aber dafür... wollen die einen Beweis haben. Ich bin der Beweis. Der Waffenbruder liefert seinen Anführer aus, das ist ein großer Vertrauensbeweis, zumal im Vorlauf dieser Aktion gezielt Falschinformationen ausgegeben wurden, dass die Organisation zum größten Teil auf den Schultern des vermeintlichen Anführers steht... auf meinen.

Nun sitze ich hier... hin und her gerissen. Soll ich wirklich so abtreten, soll das Gemetzel, das da kommt mit meinem Namen in Verbindung gebracht werden? Ist es das wert, meine Hinterlassenschaft mit so viel Blut zu beflecken? Kann ich meine Waffenbrüder verraten, den Doppelagenten auffliegen lassen, die Zukunft der Organisation, meiner Freunde, aufs Spiel setzen?

'Du bist einer von uns? Dann erschieß' ihn.'

Mein Mund öffnet sich, formt ein Wort, die Sicherung der Waffe klickt, als sie gelöst wird.

2.9.10 07:24


Faszination


Die Musik dröhnt. Die Musik erinnert.

Erinnert an Stunden der Faszination, eine Symphonie der Faszination. Eine Perfektion.

Ein Glücksgefühl das alles übersteigt. Das unbedingte Gefühl, das unbedingte Verlangen nach Ausdruck. Kreativität in ihrer Höchstform. Einer Form, die das Leben übersteigen kann, einer Wunschform, einer Traumform – einer Form, die sich in einem Gefühl widerspiegelt, einem Wunschgefühl, einem Traumgefühl... einem realen Gefühl für diesen Moment.

Diesem Moment, der nach Ausdruck verlangt. Ich will mich ausdrücken, ich will dich verstehen lassen!

Unsere Lippen berühren sich, unsere Zungen spielen, sie kämpfen, sie singen, sie schreiben, lesen, fühlen, leben, tanzen, phantasieren, träumen, erklären, verstehen – sie drücken aus.

Wir drücken uns aneinander, wir drücken unsere Faszination aus – in Kraft, die Kraft, die wir voneinander spüren, aneinander spüren, aneinander gedrückt.

Wir erzählen einander, wir sind nicht eins, aber beinahe. Wir geben, doch der jeweils andere bekommt nicht das was man gab, der andere bekommt das, was er will – wie man selbst. Man schickt aneinander vorbei, man fühlt nicht das selbe, doch schickt man Faszination und bekommt sie, man teilt die Faszination. Ob beide das selbe oder der eine das eine, der andere das andere. Das Gefühl ist das selbe. Das Gefühl ist Faszination.

Faszinierend, fantastisch, vollendet, vergänglich, verführend, entführend, ausschweifend, unerklärlich, allgegenwärtig, überwältigend, perfekt, großartig, momentan.

Ein Moment, ein Moment des fühlenden Verständnisses, ein Moment des Lebens, des Mehr-als-nur-Lebens.


Faszinierend...

 

 

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Danke, Weltraum-Oper. Danke, Battlestar Galactica.

Die großartigste Serie überhaupt...

30.10.09 04:43


Helden

Es gibt keine Helden im Krieg. Ich bin Sanitäter, ich weiß das.


Er hier. Er hat zwei Panzer geknackt und einen Truppentransporter.

Sein Kopf ist über die ganze Straße verteilt... kein Heldentod, keine letzten Worte. Er ging drauf, wie die, die er tötete. Nicht anders, kein bisschen heldenhafter.

Der Kamerad daneben. Unbekannt, wohl ein Neuling. Wollte den sowieso toten Freund in Deckung ziehen. Gleiche Todesart – muss wohl ein guter Schütze sein, da auf der anderen Seite.

Dahinter die Blutspur. Guter Freund, guter Mann. Zwei niedliche Kinder, eine liebliche Frau... die hat der Krieg schon gefressen gehabt, bevor er den Querschläger in den Bauch bekommen hat. Ich hab' ihn weg geschleift. War dabei nicht weniger unter Beschuss als jeder andere... nur offenbar glücklicher. Das Rote Kreuz am Arm bringt die eine Hälfte der Feinde dazu nicht zu schießen, die anderen tun's aber erstrecht. Was ist wohl ernüchternder, als den gleichen Feind zweimal niederstrecken zu müssen? Irgendwie kann ich's verstehen. Der Junge ist mir jedenfalls 'n paar Minuten später weggestorben. Das Morphium kam zu spät, grausamer Tod, aber die Ampulle, die mir ein anderer Soldat gegeben hatte, brachte wenigstens dem Spender kurz darauf einen schmerzlosen Tod. Glückstreffer durch die Deckung. Immerhin in der Situation war der Krieg gerecht: Der Mann, der selbstlos sein Morphium abgab, sollte dafür mit gleichem belohnt werden.

Aber da sieht man mal wieder: Auch Gerechtigkeit ändert nichts daran, dass er gestorben ist.

Die zwei Toten auf der Brücke wollten sie sprengen, um den immer weiter vorrückenden Feind aufzuhalten. Keine Chance. Kreuzfeuer, sie haben's nicht einmal bis zum ersten Pfeiler geschafft.

Die zwei dahinter... wollten ihre Kameraden bergen. Ich hab' ihnen zugeschrien, dass sie keine Chance haben und die zwei auf der Brücke schon tot sind und es also sinnlos ist. Sie liefen trotzdem.

Der Feind konnte also einfach auf die selbe Stelle schießen und bekam noch zwei von uns. Diesmal näher dran. Diesmal atmeten sie noch, flehten sie noch, schrien sie noch. Wenig Blutverlust aus der Entfernung zu erkennen. Bei denen zwei bestanden Chancen, ich rannte los.


Der Panzerknacker war kein Held. Mit jedem Abschuss hat er die Welt schlechter gemacht. Mit seinem Tod entging er wenigstens dem Grauen der Erinnerung, welches ihn in späteren Jahren heimsuchen würde.

Der unbekannte, versuchte Retter war nun ein unbekannter Toter, der nichts erreicht hatte.

Der mit dem Bauchschuss war tapfer, obwohl er schon alles verloren hatte, außer seinem Leben. Vielleicht war er deswegen tapfer. Aber tot ist er trotzdem.

Der Morphium-Spender. Hilfsbereit, ein guter Kamerad. Auch tot. Immerhin hat er einen sanften Tod bekommen, so sanft wie ich ihn als Mensch nach den drei Minuten unserer Bekanntschaft eingeschätzt hätte.

Die ersten zwei auf der Brücke. Helden für den Kommandostab und die Propaganda, hätten sie es geschafft. Haben sie aber nicht. Nun sind sie zwei Verrückte, die dem Feind sinnlos ins Feuer liefen und für ihre Dummheit zahlten.

Das zweite Paar auf der Brücke. Selbstlose Helfer. Helden für die Truppe, wenn sie es geschafft hätten... gescheitert und tot, wie alle anderen.

Und ich? Ich bin Sanitäter. Ich habe das eine oder andere Leben gerettet, habe so viele Leben enden sehen, bin durchs Kreuzfeuer gelaufen, um Kameraden zu retten – um Leben zu retten. Aber bin ich jetzt ein Held? Falls das hier einer überlebt, dann wird er sich vielleicht meiner Taten erinnern. Vielleicht werde ich für einen Menschen ein Held sein. Für einen anderen bin ich aber vielleicht nur der wahnsinnige Sanitäter, der in übertriebener Selbstlosigkeit sein Leben unnötig aufs Spiel setzte, um immer und immer wieder sowieso sterbende Kameraden zu bergen und zu versorgen. Für alle anderen werde ich niemand sein.

Ein Niemand, der zwischen zwei Niemanden auf der Brücke liegt.

Ich kann ihnen nicht helfen. Ich kann mir selbst nicht helfen.

Ich bin kein Held, ich bin Sanitäter.

Ich... war Sanitäter...

19.10.09 04:40


Der alte Mann

Der alte Mann humpelte über den Parkweg. Sein langes, ungepflegtes, wildes, graues Haar, sowie sein buschiger Vollbart wackelten mit seinem Kopf hin und her. Sein zu langer, verfilzter Mantel schlurfte hinter ihm auf dem Boden entlang. Er ließ sich auf eine Parkbank nieder, neben eine junge Frau, die in eine Zeitschrift vertieft war.

Der alte Mann musterte sie, sein Blick wanderte von ihrem Kopf, ihren modisch gekleideten Oberkörper hinunter, über die überschlagenen Beine, die nur zur Hälfte von einem Rock verdeckt wurden, bis hinunter zu ihren zierlichen Füßchen, die sich an – offenbar teure – rote, hochhackige Schuhe schmiegten. Er brummte leise.

Seine Hand bewegte sich zitternd in ihre Richtung.


„Finger weg da!“, rief ein Mann im Smoking, der zuvor auf der Bank gegenüber gesessen hatte und nun mit drohend erhobenem Schirm den alten Mann fixierte. Die junge Frau zuckte zusammen, sah die Hand des alten Mannes sowohl in der Nähe ihrer Handtasche, als auch in der Nähe ihrer Hüfte, rutschte eilig weg von ihm, zog ihre Tasche mit sich und erhob sich rasch, um, ihn noch mit einem letzten angewiderten Blick beachtend, schnell das Weite zu suchen. Der Mann im Smoking schüttelte verständnislos den Kopf und machte sich ebenfalls davon – weg von dem alten Mann. Die anderen Passanten wirkten ebenso: Verständnislos, angewidert. Der alte Mann saß da und brummte leise.


Er stand nach einer Weile auf und verließ den Park. Vor dem Supermarkt erspähten seine alten Augen einen Mann, kaum 40 Jahre alt, schätzte er. Zwei Kinder tobten um ihn und das teure Auto herum, welches der Mann gerade mit dem üppigen Inhalt des Einkaufswagens belud. Langsam trottete der alte Mann näher. Mit leiser, kratziger Stimme sprach er:

„Entschuldigen Sie, guter Mann, hätten Sie vielleicht ein wenig Geld für einen hungrigen, alten Mann?“

Die Kinder erschraken, als sie auf den verkommenen, alten Bettler aufmerksam wurden und versteckten sich hinter der geöffneten Beifahrertür. Der Familienvater musterte den alten Mann missmutig.

„So wie Sie aussehen, würden Sie das Geld doch eh nur für Alkohol ausgeben!“

Der alte Mann setzte gerade an, etwas zu antworten, als eine unnatürlich aufgestylte, blonde Frau hinter dem Mann erschien und den alten Mann ähnlich missmutig, angewidert und feindseelig musterte.

„Verzieh' dich, du Penner.“, fauchte sie.

Der alte Mann drehte sich um und meinte noch zu hören, dass die beiden leise tuschelten:

„Sowas gehört weggesperrt!“

„Solche Leute sollte man keine hundert Meter an Kinder ranlassen!“


Der alte Mann betrat den Supermarkt, kaufte sich von seinem letzten Ersparten eine Flasche Schnaps und machte sich auf den Weg zu seinem Schlafplatz am Stadtrand. Kurz vor seinem Ziel kamen ihm zwei Kinder entgegen, eines auf Inline-Skatern, das andere auf einem Skateboard. Das erste Kind zischte nur haarknapp an ihm vorbei und streckte ihm die Zunge heraus, das andere Kind stürzte von seinem Skateboard und schlug hart mit dem Kopf auf den Bordstein auf, nachdem es vom Ellenbogen des alten Mannes erfasst wurde.


Mit hassverzerrtem Gesichtsausdruck unter dem Bart wurde der alte Mann abgeführt.








Der alte Mann humpelte über den Parkweg. Sein langes, ungepflegtes, wildes, graues Haar, sowie sein buschiger Vollbart wackelten mit seinem Kopf hin und her. Sein zu langer, verfilzter Mantel schlurfte hinter ihm auf dem Boden entlang. Er ließ sich auf eine Parkbank nieder, neben eine junge Frau, die in eine Zeitschrift vertieft war.

Der alte Mann musterte sie, sein Blick wanderte von ihrem Kopf, ihren modisch gekleideten Oberkörper hinunter, über die überschlagenen Beine, die nur zur Hälfte von einem Rock verdeckt wurden, bis hinunter zu ihren zierlichen Füßchen, die sich an – offenbar teure – rote, hochhackige Schuhe schmiegten. Er brummte leise.

Seine Hand bewegte sich zitternd in ihre Richtung.


Vorsichtig strich er ihr eine Strähne von der Wange, sie erschrak und sah ihn verwirrt an. Er zog eilig seine Hand zurück und wendete seinen Blick beschämt ab.

„Entschuldigen Sie vielmals. Sie... erinnern mich so sehr an meine Tochter.“

Sie blinzelte vorerst verwirrt, aber lächelte dann.

„Ist schon in Ordnung.“

Ein Regentropfen fiel zwischen den beiden auf die Bank.

„Oh, sieht aus, als würde es regnen.“, bemerkte sie und sah in den bewölkten Himmel. „Haben Sie einen Regenschirm dabei? Ihr Mantel scheint nicht besonders dicht zu sein.“

Er brummte leise und schüttelte den Kopf. Sie kramte in ihrer Handtasche und zauberte einen kleinen, zusammenziehbaren Regenschirm hervor.

„Hier, nehmen sie den.“ Noch bevor der alte Mann dankend ablehnen oder annehmen konnte, meldete sich ein in einen Smoking gekleideter Mann, der zuvor auf der Bank gegenüber gesessen hatte.

„Entschuldigen Sie, ich habe das Gespräch mitgehört. Nehmen sie meinen Schirm, mein Herr, und behalten sie Ihren, werte Dame.“

Ein leichtes Lächeln machte sich unter dem buschigen Bart des alten Mannes breit, als er dankend annahm. Die drei verabschiedeten sich höflich und machten sich schleunigst davon, um dem Regen zu entgehen.


Vor dem Supermarkt erspähten seine alten Augen einen Mann, kaum 40 Jahre alt, schätzte er. Zwei Kinder tobten um ihn und das teure Auto herum, welches der Mann gerade mit dem üppigen Inhalt des Einkaufswagens belud. Langsam trottete der alte Mann näher. Mit leiser, kratziger Stimme sprach er:

„Entschuldigen Sie, guter Mann, hätten Sie vielleicht ein wenig Geld für einen hungrigen, alten Mann?“

Die Kinder erschraken zuerst, als sie auf den verwahrlosten, alten Mann aufmerksam wurden und blickten ihn nach daraufhin mitleidig an. Der Familienvater musterte den alten Mann eingehend.

„So wie Sie aussehen, haben sie das Geld bitter nötig, hm?“

Der alte Mann setzte gerade an, etwas zu antworten, als eine unnatürlich gestylte, blonde Frau hinter dem Mann erschien und den alten Mann erstaunlich freundlich anlächelte.

„Warten Sie einen Moment, wir finden sicher etwas für Sie.“

Sie gaben ihm einen Teil ihres Einkaufes, die Kinder überließen ihm ihre Süßigkeiten und schlussendlich drückten sie ihm noch einen großen Schein in die Hand.

„Wir haben ja genug – ich hoffe Sie können damit etwas anfangen.“

Nachdem ihr Angebot dankend ausgeschlagen hatte, bei ihnen zu Abend zu essen und vielleicht sogar zu übernachten, machte er sich auf den Weg zu seinem Schlafplatz am Stadtrand.


Kurz vor seinem Ziel kamen ihm zwei Kinder entgegen, eines auf Inline-Skatern, das andere auf einem Skateboard. Das erste Kind winkte ihm fröhlich zu, hielt an und rief das andere Kind herbei.

„Das ist der alte Mann, der in dem Zelt da hinten am Baum wohnt.“, erklärte es seinem Freund.

Der alte Mann lächelte leicht unter seinem Bart und erkannte die Jungen. Sie gehörten zu den ärmeren Familien, die in den heruntergekommenen Mietshäusern in dieser Gegend wohnten. Er teilte die Süßigkeiten gerecht unter den beiden auf und gemeinsam einigten sie sich darauf, dass sie ihn bald einmal besuchen kommen würden, um Brettspiele zu spielen oder seinen Geschichten zu lauschen.


Mit einem glücklichen Lächeln unter dem Bart machte er es sich in seinem kaputten Zelt gemütlich.

16.2.09 02:39


Gedanke - Tod

Das ist in der Schule für den Deutschunterricht entstanden... selten, dass solche Ausgeburten so tiefgründig werden.

Ich war überascht.

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Krieg, Unfall, Krankheit - Tod.

Alter, Beerdigung, Erbschaft - Tod.

Apokalyptischer Reiter.

Die Endlichkeit in der Ewigkeit der Welt - Tod.

Verabschiedung vom achso geliebten Leben - Tod.

Doch so schwer, hart und unfair - Leben.

 

Tod. Hoffnung.

Hoffnung auf Leben.

Erlösung vom endgültigen Tod.

Erlösung durch den endgültigen Tod.

Hoffnung auf Tod.

 

Selbstmord, Verzweiflung, Müdigkeit - Tod.

Dunkelheit, Nacht, Nachtaktiv.

Leben in der Nacht, Leben im Tod?

 

Leben nach dem Tod, Glaube.

Leben durch den Tod, Kreislauf.

Leben und Tod, Notwendigkeit.

19.9.09 03:07


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