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Die Zwickmühle der (Waffen-)Gewalt

„Es ist besser, wenn du ihn tötest.“ - ein Satz, den jeder fried- und lebensliebende Mensch wohl spontan nie bestätigen würde. Und doch gibt es viel zu viele Situationen, in welchen dieser Satz wohl oder übel bestätigt werden muss.

Im direkten Kampf: Ob Polizist oder Soldat, wenn er einem bewaffneten Gegner gegenübersteht gilt nicht selten: „Wer zögert, stirbt zuerst.“ - das heißt: Wer sich Gedanken darüber macht, dass er mit dem Abdrücken ein wertvolles Leben nimmt und sich erst darüber klar werden muss, ob er das verantworten kann – kurz gesagt: ein gewissenhafter Mensch – wird in einer solchen Situation mit höherer Wahrscheinlichkeit sterben als jemand, dem das Leben anderer völlig egal ist und der auch nicht darüber nachdenkt, dass dieser Mord sein eigenes Leben möglicherweise drastisch verändern könnte – ob das nun der Polizist oder Soldat oder der Kontrahent ist.

Nehmen wir die Situation, dass ein gewissenhafter, an sich tolleranter und lebensfroher Soldat sich einem bewaffneten Gegner im direkten Duell gegenüber sieht. Er ist in einer Zwickmühle: Schießt er nicht, legt er gar seine Waffe nieder, so ist er der Willkür seines Gegenübers ausgeliefert, was möglicherweise Gefangenschaft, Schmerzen oder Tod bedeuten kann. Schießt er, so wird er als gewissenhafter Mensch mit großer Wahrscheinlichkeit psychische Folgen tragen müssen, möglicherweise auch physische, gemäß dem Fall, dass er doch noch – zum Beispiel von einem nahen Kameraden des getöteten Feindes – für seine Tat gerichtet wird, was wiederum vielleicht nicht geschehen würde, wenn er sich statt zu schießen, ergeben hätte.

Schießt er, so zerstört er ein Leben – tötet vielleicht einen Familienvater, einen geliebten Sohn, einen eigentlich friedfertigen Mensch, der zur Verteidigung seiner Familie zur Waffe gegriffen hatte. Schießt er nicht, so wird vielleicht sein Leben zerstört – das eines Familienvaters, eines gewissenhaften und respektvollen Menschen, welcher möglicherweise sogar nicht mit den Ursachen des Kampfes einverstanden ist – ein US-Marine im Irak, welcher spätestens dort gelernt hat, dass dieser Krieg nicht mit den Zielen übereinstimmt, nach denen er lebt.

Im besten Fall senken beide ihre Waffen und lassen einander leben. Doch wenn dieser Fall zu erwarten wäre, so gäbe es wohl keine Kriege. Folglich ist zu erwarten, dass einer der beiden schießt. Nur wenige Menschen ziehen in einen Krieg, wenn sie ihr eigenes Leben als weniger wertvoll wie das eines völlig Fremden empfinden, zumal möglicherweise nicht nur das eigene Leben, sondern auch das Leben von Freunden oder Familie durch diesen Fremden gefährdet ist – so lange er lebt, besteht die Gefahr, dass er die Familie, die man zu schützen versucht, oder die Kameraden, denen man geschworen hat sie im fremden Land zu verteidigen, tötet. Es liegt also nahe, dass es in diesem Fall 'besser ist, wenn man ihn tötet'.

Ein weiteres Beispiel, welches denjenigen Lesern bekannt sein dürfte, welche den Film „Der Soldat James Ryan“ gesehen haben: Der eigene Trupp stellt einen Gegner, welcher sich ergibt. Ihn mit sich zu führen wäre zu umständlich und zu gefährlich – ein falsches Geräusch von ihm in einer falschen Situation und das Überleben des ganzen Trupps wäre gefährdet, ebenso wie die Überlebenschancen für alle Beteiligten sinken, wenn man den Trupp aufteilt und einen Teil mit dem Gefangenen zurück schickt. Ihn frei zu lassen birgt selbstverständlich ebenfalls eine große Gefahr. Er mag zwar hoch und heilig versprechen, dass er sich der nächstbesten mit dem Trupp verbündeten Einheit ergibt, doch niemand kann wirklich wissen oder kontrollieren, ob er das wirklich tut. Wenn nicht geht er vielleicht zurück zu seiner Armee und verrät die Position des Trupps oder lässt sich wieder eingliedern und kämpft also wieder gegen den Trupp oder dessen Verbündete. Selbst wenn der Gefangene sich tatsächlich ergeben will, besteht die Gefahr, dass er zuerst auf seine ehemaligen Kameraden trifft, die ihn dazu zwingen wieder zu kämpfen – auch hier ist es wieder unwahrscheinlich, dass dieser Soldat sein eigenes Leben (durch verweigern, also in den Augen seiner Kameraden: desertieren) opfert, um das eines oder mehrerer Fremder zu retten. Auch in diesem Fall kann man also den eigenen Tod durch zögern hervorrufen, obwohl der potenzielle Mörder nicht einmal bewaffnet ist. Im schlimmsten Falle kann man also mit der Entscheidung, ein Leben zu nehmen, hunderte Leben retten. Ein Gedanke, der weit verbreitet ist und auch oft mit Sicherheit so ausgesprochen werden kann. Wäre Adolf Hitler früher, zum Beispiel durch ein Attentat, gestorben, so hätte der zweite Weltkrieg wahrscheinlich weniger Opfer gefordert, falls er überhaupt in Europa ausgebrochen wäre.

Doch schon bei nur wenig unbedeutenderen Personen – Generälen oder ähnlichen – kann man bald nicht mehr genau sagen, ob deren Tod andere Leben retten würde. Noch weniger, bei den Bauernfiguren des Kriegsspiels: den Soldaten. Jeder Mensch ist anders, jeder denkt anders, reagiert anders und man kann nie wissen, was für einen Menschen man vor sich hat. Woran liegt es also, dass man, sobald man eine Waffe in die Hand nimmt, Gefahr läuft getötet zu werden, obwohl es nicht nötig wäre? Die Antwort ist: Vertrauen. Man kann keinem Menschen vollkommen vertrauen – teilweise sogar nicht einmal sich selbst. Im normalen Alltag und selbst in mancher Extremsituation mag man zwar durchaus das Gefühl haben, dass man jemandem vertrauen kann, doch wissen kann man es nie.

Während den meisten Tieren angeboren ist, sich dem Stärkeren zu fügen, so ist den Menschen offenbar angeboren – oder anerzogen – einen weiteren Angriff zu führen oder zu erwarten, sobald der Stärkere seine Aufmerksamkeit vom Besiegten abwendet. Wäre die Welt also besser, wenn man darauf vertrauen könnte, dass der Besiegte oder Unterlegene nicht aufbegehrt? Nach dem Tiervergleich neigt man vielleicht dazu diese Frage zu bejahen, doch wenn man genauer darüber nachdenkt, wird man sich bewusst, dass diese Frage nicht zu beantworten ist.

Kurzfristig mag mehr Leben dieses auch behalten können, wenn der Unterlegene nicht aufbegehrt, also wenn sich der Schwächere kampflos oder zumindest ohne bis an seinen Tod zu kämpfen dem Stärkeren unterordnet. Doch man kann – zumindest bei Menschen – nie wissen, was der Stärkere mit seiner Macht tut, was langfristig möglicherweise nicht nur den eigenen Tod bedeutet.

Um zurück zum ursprünglichen Thema zu kommen: Sobald eine Waffe ins Spiel kommt – egal in welcher Situation –, steigen also die Chancen auf einen baldigen Tod drastisch und doch wird es nie eine Menschheit ohne Waffen geben können, da es aufgrund der Natur des Menschen kein menschliches Zusammenleben ohne Konflikte und ohne Misstrauen – und damit: ohne Grund für (Waffen-)Gewalt – geben kann.

 

13.10.08 02:07
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mio (22.10.08 19:40)
Die Verhaltensweisen und Triebe des Menschen kann man im Buch der Menschheitsgeschichte gut durchschauen. Irgendwie ist er als Spezi getrieben.
Das macht mir wenig Hoffnung, wenn ich sehe wie er sich als "intelligentestes Wesen" auf dieser Erde kaum einmal wirklich weise und lernfähig selbst durchschauen kann.
Wir trösten uns meist damit, das ja nicht Alle so sind.
Das gilt aber meist nur, wenn wir einfach allgemein zu unbedeutend sind.
Bekommen wir Aufmerksamkeit verändern wir uns bereits und wollen einfach nur mehr davon.
Die Waffe ist ein Instrument in der Hand eines Naturgetriebenen.
Der Mensch tut damit was er immer tat. Grüße (.

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