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Wahres Glück

„Wollen Sie hier denn nie heraus kommen?“

„Nein, wieso sollte ich?“, antwortete er und verfolgte mit fröhlichem Blick etwas, das unsichtbar über ihn hinweg zu fliegen schien.

„Meine Frau und meine Kinder sind hier...“

„Sind sie nicht, Sie sind alleine in eine Zelle gesperrt, zudem dürfen Sie keinen Besuch empfangen.“

„Sie besuchen nicht mich, ich besuche sie...“

„Ihre Arme und Beine sind an das Bett gefesselt.“

„Ich bin frei, ich sehe sie, ich rieche sie, ich fühle sie.“

Ich sah die tristen Wände, roch nur die verbrauchte Luft der Zelle, fühlte den kargen Holzstuhl unter mir. Ich seufzte.

„Sie sind geistig völlig gesund, das wissen sie. Machen Sie sich nichts vor.“

Ruckartig legte er den Kopf auf die Seite und starrte mich an, nun nicht mehr lächelnd.

„Wieso nicht? Ich bin zu Hause, mehr denn je. Kann meine Frau lieben, wie ich in der Wirklichkeit nicht fähig wäre, mich um meine Kinder kümmern, wie es kein Vater und keine Mutter kann.“

„In ihrer Fantasie...“

„Wie erleben Sie mich?“

„Als... verwirrten Menschen.“

„Nein, was sehen sie, wenn sie mich beobachten?“

„Sie... sind in eine Gummizelle gesperrt und an ein Bett gefesselt.“

„Und was tue ich meistens?“

„Lachen...“

Ein Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit, sein starrender Blick wurde milder und freundlicher.

„In meiner Fantasie bin ich der Vater und Ehemann, der ich nie sein könnte, der Mensch, der ich nie sein könnte. Ich bin glücklicher, als ich es je sein könnte.“

„Aber Ihr Glück basiert auf nichts Realem.“

„Muss es das?“

Sein Blick wendete sich wieder der Decke zu, er schwieg, lächelnd.

Ich verließ die Anstalt im trüben Licht der untergehenden Wintersonne, stieg müde und lustlos in mein Auto und fuhr durch den gehetzten, unfreundlichen Verkehr nach Hause, wo ich meine Kinder antraf, müde und lustlos über ihre Schulbücher gebeugt, während meine Frau müde und lustlos auf dem Sofa saß, fern sah und darauf wartete, dass dieser harte Arbeitstag sich endlich dem nächsten beugen würde.

16.2.09 02:38
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(17.2.09 19:32)
Die Geschichte gefällt mir, sie macht so schön nachdenklich....


Wobei das Leben natürlich auch schön sein kann, sonst wären wir ja nicht mehr hier. Man muss nicht immer müde und lustlos sein!

GlG Valeska

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