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Der alte Mann

Der alte Mann humpelte über den Parkweg. Sein langes, ungepflegtes, wildes, graues Haar, sowie sein buschiger Vollbart wackelten mit seinem Kopf hin und her. Sein zu langer, verfilzter Mantel schlurfte hinter ihm auf dem Boden entlang. Er ließ sich auf eine Parkbank nieder, neben eine junge Frau, die in eine Zeitschrift vertieft war.

Der alte Mann musterte sie, sein Blick wanderte von ihrem Kopf, ihren modisch gekleideten Oberkörper hinunter, über die überschlagenen Beine, die nur zur Hälfte von einem Rock verdeckt wurden, bis hinunter zu ihren zierlichen Füßchen, die sich an – offenbar teure – rote, hochhackige Schuhe schmiegten. Er brummte leise.

Seine Hand bewegte sich zitternd in ihre Richtung.


„Finger weg da!“, rief ein Mann im Smoking, der zuvor auf der Bank gegenüber gesessen hatte und nun mit drohend erhobenem Schirm den alten Mann fixierte. Die junge Frau zuckte zusammen, sah die Hand des alten Mannes sowohl in der Nähe ihrer Handtasche, als auch in der Nähe ihrer Hüfte, rutschte eilig weg von ihm, zog ihre Tasche mit sich und erhob sich rasch, um, ihn noch mit einem letzten angewiderten Blick beachtend, schnell das Weite zu suchen. Der Mann im Smoking schüttelte verständnislos den Kopf und machte sich ebenfalls davon – weg von dem alten Mann. Die anderen Passanten wirkten ebenso: Verständnislos, angewidert. Der alte Mann saß da und brummte leise.


Er stand nach einer Weile auf und verließ den Park. Vor dem Supermarkt erspähten seine alten Augen einen Mann, kaum 40 Jahre alt, schätzte er. Zwei Kinder tobten um ihn und das teure Auto herum, welches der Mann gerade mit dem üppigen Inhalt des Einkaufswagens belud. Langsam trottete der alte Mann näher. Mit leiser, kratziger Stimme sprach er:

„Entschuldigen Sie, guter Mann, hätten Sie vielleicht ein wenig Geld für einen hungrigen, alten Mann?“

Die Kinder erschraken, als sie auf den verkommenen, alten Bettler aufmerksam wurden und versteckten sich hinter der geöffneten Beifahrertür. Der Familienvater musterte den alten Mann missmutig.

„So wie Sie aussehen, würden Sie das Geld doch eh nur für Alkohol ausgeben!“

Der alte Mann setzte gerade an, etwas zu antworten, als eine unnatürlich aufgestylte, blonde Frau hinter dem Mann erschien und den alten Mann ähnlich missmutig, angewidert und feindseelig musterte.

„Verzieh' dich, du Penner.“, fauchte sie.

Der alte Mann drehte sich um und meinte noch zu hören, dass die beiden leise tuschelten:

„Sowas gehört weggesperrt!“

„Solche Leute sollte man keine hundert Meter an Kinder ranlassen!“


Der alte Mann betrat den Supermarkt, kaufte sich von seinem letzten Ersparten eine Flasche Schnaps und machte sich auf den Weg zu seinem Schlafplatz am Stadtrand. Kurz vor seinem Ziel kamen ihm zwei Kinder entgegen, eines auf Inline-Skatern, das andere auf einem Skateboard. Das erste Kind zischte nur haarknapp an ihm vorbei und streckte ihm die Zunge heraus, das andere Kind stürzte von seinem Skateboard und schlug hart mit dem Kopf auf den Bordstein auf, nachdem es vom Ellenbogen des alten Mannes erfasst wurde.


Mit hassverzerrtem Gesichtsausdruck unter dem Bart wurde der alte Mann abgeführt.








Der alte Mann humpelte über den Parkweg. Sein langes, ungepflegtes, wildes, graues Haar, sowie sein buschiger Vollbart wackelten mit seinem Kopf hin und her. Sein zu langer, verfilzter Mantel schlurfte hinter ihm auf dem Boden entlang. Er ließ sich auf eine Parkbank nieder, neben eine junge Frau, die in eine Zeitschrift vertieft war.

Der alte Mann musterte sie, sein Blick wanderte von ihrem Kopf, ihren modisch gekleideten Oberkörper hinunter, über die überschlagenen Beine, die nur zur Hälfte von einem Rock verdeckt wurden, bis hinunter zu ihren zierlichen Füßchen, die sich an – offenbar teure – rote, hochhackige Schuhe schmiegten. Er brummte leise.

Seine Hand bewegte sich zitternd in ihre Richtung.


Vorsichtig strich er ihr eine Strähne von der Wange, sie erschrak und sah ihn verwirrt an. Er zog eilig seine Hand zurück und wendete seinen Blick beschämt ab.

„Entschuldigen Sie vielmals. Sie... erinnern mich so sehr an meine Tochter.“

Sie blinzelte vorerst verwirrt, aber lächelte dann.

„Ist schon in Ordnung.“

Ein Regentropfen fiel zwischen den beiden auf die Bank.

„Oh, sieht aus, als würde es regnen.“, bemerkte sie und sah in den bewölkten Himmel. „Haben Sie einen Regenschirm dabei? Ihr Mantel scheint nicht besonders dicht zu sein.“

Er brummte leise und schüttelte den Kopf. Sie kramte in ihrer Handtasche und zauberte einen kleinen, zusammenziehbaren Regenschirm hervor.

„Hier, nehmen sie den.“ Noch bevor der alte Mann dankend ablehnen oder annehmen konnte, meldete sich ein in einen Smoking gekleideter Mann, der zuvor auf der Bank gegenüber gesessen hatte.

„Entschuldigen Sie, ich habe das Gespräch mitgehört. Nehmen sie meinen Schirm, mein Herr, und behalten sie Ihren, werte Dame.“

Ein leichtes Lächeln machte sich unter dem buschigen Bart des alten Mannes breit, als er dankend annahm. Die drei verabschiedeten sich höflich und machten sich schleunigst davon, um dem Regen zu entgehen.


Vor dem Supermarkt erspähten seine alten Augen einen Mann, kaum 40 Jahre alt, schätzte er. Zwei Kinder tobten um ihn und das teure Auto herum, welches der Mann gerade mit dem üppigen Inhalt des Einkaufswagens belud. Langsam trottete der alte Mann näher. Mit leiser, kratziger Stimme sprach er:

„Entschuldigen Sie, guter Mann, hätten Sie vielleicht ein wenig Geld für einen hungrigen, alten Mann?“

Die Kinder erschraken zuerst, als sie auf den verwahrlosten, alten Mann aufmerksam wurden und blickten ihn nach daraufhin mitleidig an. Der Familienvater musterte den alten Mann eingehend.

„So wie Sie aussehen, haben sie das Geld bitter nötig, hm?“

Der alte Mann setzte gerade an, etwas zu antworten, als eine unnatürlich gestylte, blonde Frau hinter dem Mann erschien und den alten Mann erstaunlich freundlich anlächelte.

„Warten Sie einen Moment, wir finden sicher etwas für Sie.“

Sie gaben ihm einen Teil ihres Einkaufes, die Kinder überließen ihm ihre Süßigkeiten und schlussendlich drückten sie ihm noch einen großen Schein in die Hand.

„Wir haben ja genug – ich hoffe Sie können damit etwas anfangen.“

Nachdem ihr Angebot dankend ausgeschlagen hatte, bei ihnen zu Abend zu essen und vielleicht sogar zu übernachten, machte er sich auf den Weg zu seinem Schlafplatz am Stadtrand.


Kurz vor seinem Ziel kamen ihm zwei Kinder entgegen, eines auf Inline-Skatern, das andere auf einem Skateboard. Das erste Kind winkte ihm fröhlich zu, hielt an und rief das andere Kind herbei.

„Das ist der alte Mann, der in dem Zelt da hinten am Baum wohnt.“, erklärte es seinem Freund.

Der alte Mann lächelte leicht unter seinem Bart und erkannte die Jungen. Sie gehörten zu den ärmeren Familien, die in den heruntergekommenen Mietshäusern in dieser Gegend wohnten. Er teilte die Süßigkeiten gerecht unter den beiden auf und gemeinsam einigten sie sich darauf, dass sie ihn bald einmal besuchen kommen würden, um Brettspiele zu spielen oder seinen Geschichten zu lauschen.


Mit einem glücklichen Lächeln unter dem Bart machte er es sich in seinem kaputten Zelt gemütlich.

16.2.09 02:39
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


zillie / Website (16.2.09 07:44)
und irgendwo, ... irgendwann .. zwischen den ganzen unpersönlichen... unmenschlichen Begegnungen... triffst Du auch mal die Menschen aus der 2. Geschichte...
Ich wünsche Dir solche Begegnungen... und dass Du dann ein Auge dafür hast.


Cuthra / Website (16.2.09 22:00)
Deswegen mag ich keine Menschen. Sie sind fast alle so wie in der ersten Geschichte :/
Es gibt so viele "alte Männer" und kaum einer lernt, über den Tellerrand zu schauen und einfach mal die Augen aufzumachen. Das ist traurig, wirklich traurig.
Genau wie die Geschichte. Aber die zweite ist schön, sogar sie passiert manchmal


MissEyre (10.3.09 22:55)
Cuthra, und wie genau guckst du hin?
Wenn du "keine Menschen" magst?

(habe mal pflichtschuldigst gefragt, trotz erstem NickImpuls )

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